Demokratie im Schatten der Türkei

Am kommenden Samstag will der türkische Premierminister Binali Yildirim in der Oberhausener König-Pilsener-Arena für seinen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan Werbung machen. Erwartet werden rund 10.000 Deutsch-Türken.

Erwartet werden – zumindest aus Sicht der AfD – jetzt aber auch vor allem klare Ansagen gegen den Betreiber der Arena von Seiten des Oberhausener Stadtrats, Aufmärsche selbsternannter Antifaschisten, Boxer aus dem Umfeld von Böhmermann, “Bündnisse im Kampf gegen die Diktatur”, Benefiz-Konzerte namhafter Künstler, Spontan-Auftritte von Karnevalsvereinen und ihrer Barden, Gedenkminuten für die Opfer faschistischer Regime in allen Kirchen.

Allein: all das gibt es nicht. Nichts davon. Ganz im Gegenteil.

Die Bundesregierung zeigt sich verständnisvoll und tolerant: “Mehr als drei Millionen Menschen hierzulande haben ihre Wurzeln in der Türkei, viele von ihnen nehmen weiter regen Anteil an den dramatischen politischen Entwicklungen in der Türkei. Das respektieren wir.”

Mehr als drei Millionen? Die AfD repräsentiert definitiv ein Vielfaches dieser Zahl. Sie besteht zum allergrößten Teil aus Menschen, die Deutschland zu dem geformt haben, was es bis vor kurzem noch war. Die es reanimiert haben aus den Trümmern des Krieges, die aus dem Warnhinweis “Made in Germany” das weltweit renommierteste Gütesiegel gemacht haben. Diese Menschen werden von dieser Bundesregierung demnach nicht respektiert, ihre Versammlungen (die im übrigen allesamt friedlich und zivilisiert abgehalten werden) versucht man mit allen Mitteln innerhalb und außerhalb des gesetzlichen Rahmens zu verhindern.

In Köln, zu unserem Bundesparteitag, erwartet die Polizei 30.000 Demonstranten. Und die lustigsten Karnevalsbands. In Oberhausen nun dürfen Erdogans Jünger völlig ungestört ihre Propaganda betreiben.

Deutschland im Jahre 2017. Verkehrte Welt. Mal ganz ehrlich: Sind wir die einzigen, die noch die Demokratie verteidigen?


Den Original-Artikel auf der Homepage des Landesverbandes finden Sie hier.

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